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Zahlen und Fakten zur Armut und Vermögensverteilung in Deutschland
Die Armut in Deutschland ist in den vergangenen Jahren ständig gestiegen.
Die Armut in Deutschland hat im vergangenen Jahrzehnt zugenommen. Ein größerer Teil der Bevölkerung muss sich beim Konsum einschränken. 1998 galten laut Sozio-oekonomischem Panel 10,5 Prozent der Bevölkerung als arm, 2008 waren es bereits 14 Prozent. Darunter sind vor allem Haushalte mit Kindern und junge Erwachsene. weiter...
Die wichtgsten Befunde aus dem 3. Armuts- und Reichtumsbericht (2008)
Immer mehr Kinder wachsen in armen Verhältnissen auf.
Nach Angaben des Deutsche Kinderschutzbundes leben 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland in Armut - knapp jeder Fünfte unter 18 Jahren. Die Zahl der in Armut lebenden Kinder hat sich seit Ende 2004 verdoppelt.
Arbeitslosigkeit ist das größte Armutsrisiko.
Das Armutsrisiko von Arbeitslosen-Haushalten liegt bei 43 Prozent - damit ist es mehr als dreimal so hoch wie das der Gesamtbevölkerung (13 Prozent). Zwei Drittel der Arbeitslosen bezogen 2007 Arbeitslosengeld II. Die öffentlichen Leistungen für Arbeitslose reichen offensichtlich nicht aus, um Armut zu verhindern. Für Erwerbstätige liegt das Armutsrisiko hingegen bei 6 Prozent.
Unter den Armen gibt es viele Erwerbstätige ("working poor").
In vielen Jobs erreichen die Beschäftigten trotz Vollzeitarbeit und Tarifabsicherung mit ihrem Verdienst noch nicht einmal das Existenzminimum. Ihr Tariflohn liegt zum Teil noch unter 5 Euro brutto pro Stunde.
Niedriglöhne nehmen in Deutschland zu (Impuls 12/2009)
Einkommensarmut gestiegen, Armut verfestigt (DIW-Studie, 3/2007)
Zahlen aus dem WSI zur "Armut trotz Arbeit"
Je geringer die Bildung, desto höher das Risiko, zu verarmen.
Mit geringerer Bildung geht das Risiko einher, keine Arbeit zu haben und somit das Risiko, arm zu sein. Während die Erwerbstätigenquote (25- bis 65-Jährigen) für Menschen mit Fachhochschul- bzw. Hochschulabschluss im Jahr 2006 rund 85 Prozent betrug, waren nur 53,5 Prozent der Personen ohne beruflichen Abschluss erwerbstätig. Vor allem Menschen mit Migrationshintergrund bleiben oftmals ohne Schulabschluss: 13 Prozent können keinen Abschluss vorweisen; in der Gesamtbevölkerung sind es rund zwei Prozent.
Zahlen zu Bildungsabschlüssen und zur Rolle der sozialen Herkunft
Aufstiegschancen armer Grundschulkinder: fast Null (Studie für die AWO, 2006)
Migranten sind besonders hilfebedürftig.
Migranten sind einem höheren Armutsrisko ausgesetzt: Das Risiko, einkommensarm zu sein, haben nach den Daten des Mikrozensus 2005 15% der Gesamtbevölkerung. Bei Menschen mit Migrationshintergrund liegt dieser Anteil mit über 28% fast doppelt so hoch. Eine Ursache dafür ist das - im Vergleich zu Deutschen - durchschnittlich geringere Bildungsniveau.
Überschuldung und Armut kommen oft zusammen.
Die ärmsten haben gar kein Vermögen - bei ihnen ist das Soll größer als das Haben. 55 Prozent aller Personen, die 2008 von einer Schuldnerberatungsstelle beraten wurden, hatten ein monatliches Nettoeinkommen unter 900 Euro.
Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander.
Der Anteil aus Unternehmertätigkeit und Vermögen am Volkseinkommen hat in den vergangenen Jahren immer weiter zugelegt; im Gegenzug sinkt der Arbeitnehmeranteil.
Befunde aus dem WSI-Verteilungsbericht
30 Prozent der Bevölkerung besitzen per Saldo nichts oder sind sogar verschuldet
Wer besitzt in Deutschland das meiste Vermögen? Wer das wenigste?
Arme Menschen sind öfter krank und sterben früher
Arme Männer leiden häufiger an Schlaganfällen, Bronchitis, Schwindel oder Rückenschmerzen, bei armen Frauen sind Herzinfarkte und Diabetes weiter verbreitet. Männer und Frauen aus der Unterschicht leiden 1,6 mal häufiger unter Depressionen als Personen der Oberschicht. Fast jeder zweite Arbeitslose gibt an, er sei nicht gesund.
Wer arm ist, nimmt weniger am politischen und sozialen Leben teil.
Ob in Sportvereinen, Gewerkschaften oder Parteien: Arme sind überall seltener dabei, als es ihrem Anteil an der Gesellschaft entspricht. Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist diese geringere Teilhabe zu beobachten.
Viele Menschen kommen aus der Armut nicht mehr heraus.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung für die Jahre 2000 bis 2004 . Ein weiteres Fünftel der deutschen Bevölkerung pendelt zwischen Armut und Wohlstand, ohne sich jedoch dauerhaft von der Armut lösen zu können.