Armut > Fakten > Die Armut wird nach einem international vereinbarten, aber nicht unumstrittenen Maßstab gemessen. Merkliste: Login Registrierung
Die Armut wird nach einem international vereinbarten, aber nicht unumstrittenen Maßstab gemessen.
In Deutschland gilt als arm, wer in einem Haushalt lebt, dessen "bedarfsgewichtetes Nettoäquivalenzeinkommen" bei weniger als 60 Prozent des Medians liegt. Auf diese Definition von Armut haben sich die EU-Mitgliedsstaaten in der sogenannten Laeken-Vereinbarung von 2001 geeinigt. Auch andere Definitionen sind denkbar - und werden zum Teil auch angewandt.
So könnte die Armutsgrenze bei einem anderen Prozentwert (etwa 50 Prozent) liegen. Und statt des Medians könnte auch das arithmetische Mittel herangezogen werden.
Zur Ermittlung des Medians wird die Bevölkerung in zwei Hälften geteilt: Die eine Hälfte verdient mehr, die andere weniger als den so ermittelten Mittelwert. Beim arithmetischen Mittel werden alle Einkommen addiert und anschließend durch die Bevölkerungsanzahl geteilt. Kritik an dieser Messung: Der Median verändert sich überhaupt nicht, wenn die Einkommen der reicheren Hälfte steigen, : Die Kluft wächst, der Median-Wert bleibt konstant. Es sei beim Median "völlig egal, welche Einkommensentwicklungen sich oberhalb davon einstellen", kritisiert WSI-Armutsforscher Claus Schäfer. Welche Prozentzahl gewählt wird, ist letztendlich eine Entscheidung über Werte - und darüber, inwieweit Zahlen international vergleichbar sein sollen.
Der Einkommensmedian ist der Wert, mit dem die Bevölkerung in genau zwei gleiche Teile geteilt werden kann: jeder Haushalt im "unteren" Teil hat weniger Einkommen als der Median, jeder Haushalt im "oberen" Teil hat mehr Einkommen als der Median. Das bedeutet, dass der Median schon allein durch die untere Hälfte festgelegt wird. Beim arithmetischen Mittel werden alle Einkommen addiert und anschließend durch die ganze Bevölkerungsanzahl geteilt, so daß es auch von den oberen Einkommen mitgeprägt wird.
Kritik an der Laeken-Messung: Der Median verändert sich überhaupt nicht, wenn die Einkommen der reicheren Hälfte steigen, während die Einkommen der unteren Hälfte gleichbleiben oder sogar sinken: die Kluft zwischen arm undreich wächst, der Median-Wert aber bleibt konstant - und auch die von ihm abgeleitete Armutsschwelle. Es sei beim Median "völlig egal, welche Einkommensentwicklungen sich oberhalb davon einstellen", kritisiert WSI-Armutsforscher Claus Schäfer. Welche Prozentzahl für die Armutsschwelle gewählt wird, ist letztendlich eine Entscheidung über Werte - und darüber, inwieweit Zahlen international vergleichbar sein sollen.
Armut ließe sich auch anders definieren: Der Ökonom und Nobelpreisträger Amartya Sen zum Beispiel versteht unter Gerechtigkeit vor allem Verwirklichungschancen. Laut Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung liegt Armut im Sinne von sozialer Ausgrenzung dann vor, "wenn Handlungsspielräume von Personen in gravierender Weise eingeschränkt und gleichberechtigte Teilhabechancen an Aktivitäten und Lebensbedingungen der Gesellschaft ausgeschlossen sind". Da es hierfür aber keine Messzahlen gibt, orientiert sich die Armutsforschung ahilfweise n der Höhe des Einkommens.
Quelle: OECD
Stand: 1.9.2009
Mehr Informationen zu den künftigen EU-Berichten zur Armut.
Beitrag in Böckler Impuls:
Der Statistiker Bernd Eggen errechnet die Auswirkungen verschiedener Armutsdefinitionen