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Die Armut in Deutschland ist in den letzten Jahren ständig gestiegen.
Das Bundeskabinett hat am 25. Juni 2008 den 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung beschlossen. Im Kern dokumentiert er die gleiche Tendenz wie schon die Berichte von 2001 und 2005: Die Gesellschaft driftet weiter auseinander.
Die Armut in Deutschland hat im vergangenen Jahrzehnt zugenommen. Ein größerer Teil der Bevölkerung muss sich beim Konsum einschränken. Oft sind mit Armut aber auch geringe Bildungschancen und schlechte Gesundheit verbunden.
1998 war jedes zehnte Paar mit Kindern arm, 2005 schon fast jedes fünfte.
Je nach Datenquelle variieren die errechneten Armutsquoten etwas. Dennoch vermittelt der Berichtsentwurf einen Gesamteindruck von den Lebensverhältnissen in Deutschland und zeigt, wie die Diskrepanz zwischen oberem und unterem Ende der Verteilung gewachsen ist:
Niedrige Einkommen: Von Einkommensarmut betroffen sind besonders Arbeitslose, Ungelernte und Alleinerziehende. In Ostdeutschland ist der Anteil höher als im Westen. Hier stieg die Armutsquote zwischen 1998 und 2005 von 15 auf 22 Prozent, im Westen nahm sie von 11 auf 17 Prozent zu. "Arm" heißt: Die Betroffenen haben weniger als 60 Prozent des mittleren (bedarfsgewichteten) Nettoeinkommens zur Verfügung. Die steigende Armut "korrespondiert mit einer Zunahme der Abwärtsmobilität aus mittleren Einkommensschichten", so der Berichtsentwurf. Die Folgen der vierten Hartz-Reform sind noch nicht erkennbar: Welche Auswirkungen die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe auf die Einkommensverteilung gehabt habe, lasse sich "nicht zweifelsfrei beantworten". Positiv hat sich von 1998 bis 2006 die Zahl der Wohnungslosen, die auf der Straße leben, entwickelt: Nach Schätzungen ist sie um knapp 50 Prozent auf rund 18.000 gesunken.
Hohe Einkommen: 2003 waren sieben Prozent der Bevölkerung der Einkommen- und Verbrauchstichprobe des Statistischen Bundesamtes zufolge "reich". Das heißt, sie verdienten mindestens das Doppelte des mittleren Einkommens. Ein Alleinstehender musste etwa 3.300 Euro netto im Monat bekommen, um dazuzugehören. Für ein Paar mit zwei Kindern lag die Schwelle bei knapp 6.900 Euro.
Vermögen und Schulden: Das Vermögen ist in Deutschland noch erheblich ungleicher verteilt als die Einkommen: Das oberste Zehntel vereinte 2002 etwa 56 Prozent aller Vermögen auf sich. Dagegen besaß die untere Hälfte der Bevölkerung gerade 2 Prozent des Gesamtvermögens. Ein erheblicher Teil hat nicht nur kein Vermögen, sondern Schulden. 2003 waren knapp drei Millionen Haushalte überschuldet. Das heißt, ihr Einkommen reichte nicht aus, um Zinsen und Tilgung ihrer Kredite zu bezahlen. Mietschulden oder Schulden bei Versandhäusern sind in dieser Statistik allerdings nicht erfasst. Bis 2006 sank die Zahl der nach dieser Abgrenzung überschuldeten Haushalte auf 1,6 Millionen.
Bildungschancen: Die Europäische Union betrachtet eine abgeschlossene berufliche Ausbildung "als notwendige Mindestqualifikation für eine erfolgreiche Teilhabe in modernen Wissensgesellschaften". 2006 verfügten gut 16 Prozent der Bevölkerung nicht über einen entsprechenden Abschluss. Die Quote ist seit 1996 sogar um einen halben Prozentpunkt gestiegen. Zudem weist der Bericht auf die soziale Selektivität des deutschen Bildungssystems hin. So nehmen 83 Prozent der Kinder mit akademisch gebildetem Vater ein Hochschulstudium auf, aber nur 23 Prozent der Kinder von Nicht-Akademikern. Nur jeder fünfte ausländische Jugendliche geht aufs Gymnasium, während fast jeder zweite deutsche diese Schulform besucht.
Gesundheit: "Auch in einem hoch entwickelten Land wie der Bundesrepublik Deutschland lässt sich ein Zusammenhang zwischen der sozialen und gesundheitlichen Lage feststellen", so der Bericht. Beispielsweise haben Männer mit hoher Schulbildung zu 57 Prozent einen guten oder sehr guten Gesundheitszustand, solche mit niedriger Schulbildung nur zu 34 Prozent. Kinder aus Haushalten mit niedrigem sozialem Status sind zu 32 Prozent kerngesund, in Familien mit hohem Status liegt der Anteil zehn Prozentpunkte höher.
Download: 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung (2008, pdf)