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Zahlen und Fakten zu Niedriglöhnen und Mindestlohndebatte
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Immer mehr Menschen bekommen nur Niedriglöhne
Der Niedriglohnsektor ist in Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre kontinuierlich gewachsen. Je nach Definition gibt es heute zwischen 8 und 9 Millionen Niedriglohnempfänger, darunter zwischen 3 und 4 Millionen Vollzeitbeschäftigte. Mehr als eine Million Beschäftigte verfügen über ein so geringes Arbeitseinkommen, dass sie zusätzlich Arbeitslosengeld II erhalten.
Die niedrigen Stundenlöhne sind in den letzten Jahren noch weiter gesunken
Laut IAQ (Uni Duisburg-Essen) sind die durchschnittlichen Stundenlöhne der Niedriglöhner zwischen 2004 und 2006 zurück gegangen: in Westdeutschland von 7,25 Euro auf 6,89 Euro und im Osten von 5,48 Euro auf 4,86 Euro. Mit einem Bruttostundenlohn von fünf Euro oder weniger mussten 2006 demzufolge etwa 1,9 Millionen Arbeitnehmer auskommen. Die IAQ-Wissenschaftler definieren den Niedriglohn wie die OECD: Geringverdiener ist, wer weniger als zwei Drittel des mittleren Lohns bekommt.
Frauen, Jüngere und Ausländer am häufigsten betroffen
Überdurchschnittlich häufig müssen sich Frauen, Jüngere und Ausländer mit geringen Verdiensten zufrieden geben. Besonders oft sind Minijobber von Niedriglöhnen betroffen. Die Gruppe der Minijobber und Teilzeitbeschäftigten im Niedriglohnsektor steigt, dafür geht der Anteil der Vollzeitbeschäftigten zurück. Mehr als 90 Prozent der geringfügig Beschäftigten bezogen 2006 Niedriglöhne.
Die meisten Niedriglohnempfänger haben eine Ausbildung
Knapp drei Viertel der Niedriglöhner haben eine Berufsausbildung oder studiert. Nur ein gutes Viertel hat keine Ausbildung. Der Anteil von Beschäftigten mit abgeschlossener Berufsausbildung am Niedriglohnbereich ist zwischen 1995 und 2006 von 58,6 Prozent auf 67,5 Prozent deutlich gestiegen.
Nur wenige schaffen den Aufstieg aus dem Niedriglohn
Nur jedem zwölften Beschäftigten im Niedriglohnsektor gelingt es noch, mit der Zeit einen besser bezahlten Job zu bekommen.Vor zwanzig Jahren schaffte das noch jeder fünfte. Besonders Ältere, Frauen und Ausländer hängen dauerhaft im Niedriglohnsektor fest. International ist Deutschland mittlerweile Schlusslicht, was die Aufstiegswahrscheinlichkeit der Geringverdiener angeht.
Viele Geringverdiener ohne tariflichen Schutz
Viele Geringverdiener werden durch Tarifverträge nicht geschützt. Von allen Betrieben sind rund 37 Prozent tarifgebunden, weitere 40 Prozent geben an, sich an Tarifverträgen zu orientieren. Jahr für Jahr erklären die Arbeitsminister in Deutschland weniger Tarifverträge für allgemeinverbindlich. Sicherheit gegen Niedriglöhne bietet das nicht. Zudem schützen Tarifverträge nicht generell gegen Armut. Die niedrigen tariflichen Stundenlöhne betrugen beispielsweise 4,71 Euro im Erwerbsgartenbau Brandenburg, 5,49 € im Fleischerhandwerk Thüringen (Stand Januar/Februar 2008).
Mindestlöhne sind in Europa weit verbreitet
20 von 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. In Westeuropa liegt er meist über acht Euro. Mindestlohnbezieher in Luxemburg und Frankreich haben die größte Kaufkraft, in Bulgarien und Rumänien dagegen kann man sich vom Mindestlohn am wenigsten kaufen (Juli 2008).
Lohnuntergrenzen in Deutschland: Tarifverträge und Branchen-Mindestlöhne
Im Gegensatz zur Mehrzahl der europäischen Staaten existiert in Deutschland kein allgemeiner, branchenübergreifender gesetzlicher Mindestlohn. Hier gibt es verschiedene Formen von tariflichen Mindestlöhnen für Branchen, die eine jeweils unterschiedliche Reichweite und Verbindlichkeit haben. Nach langen Kontroversen um Mindestlöhne in Deutschland beschloss das Bundeskabinett Mitte 2008 Gesetzentwürfe zur Neufassung des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes und des Mindestarbeitsbedingungengesetzes. Damit sollen weitere Branchen-Mindestlöhne ermöglicht werden.
Quellen:
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut in der Hans-Böckler-Stiftung (WSI), Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK),
Institut für Arbeit und Qualifikation der Uni Duisburg-Essen (IAQ).