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Zahlen und Fakten zur Entwicklung in der Gesundheitspolitik
Steigende Kosten
Gesundheit wird teurer. Die Gesamtkosten für die öffentliche Gesundheit betrugen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2007 bereits 253 Mrd. Euro (2006: 245 Mrd.) Damit lagen die Ausgaben 3,2% über dem Vorjahr (2006: +2,4%). Den größten Anteil der Kosten trugen mit 145,4 Mrd. Euro die gesetzlichen Krankenkassen. Ihre Finanzierung bleibt problematisch: Die Einnahmen erhöhen sich nur gering, weil Löhne und Gehälter der Versicherten in den letzten Jahren kaum gestiegen sind, weil der Anteil sozialversicherungspflichtig Beschäftigter sinkt und Gutverdienende und Selbständige häufig zu privaten Kassen wechseln. Kapital- und Mieteinkünfte sowie die Einkommen privat Versicherter unterliegen noch immer nicht der Beitragspflicht, daran hat auch die jüngste Gesundheitsreform nichts geändert. Steigende Beitragssätze für gesetzlich Versicherte sind also in Zukunft weiterhin wahrscheinlich.
Die Hauptlast liegt bei der gesetzlichen Krankenversicherung (Grafik)
Viel Geld für die Gesundheit (Grafik)
OECD-Gesundheitsdaten 2009 Deutschland im Vergleich (download, pdf)
Statt Bürgerversicherung und Kopfpauschale: Der Gesundheitsfonds
Lange Zeit kreiste die Diskussion über die Zukunft der Krankenversicherung um die beiden Modelltypen Bürgerversicherung und Kopfpauschale. Keines der beiden Modelle wurde letztlich umgesetzt. Stattdessen ist seit dem 1. April 2007 die Gesundheitsreform in Kraft und mit ihr wurde zum 1. Januar 2009 der Gesundheitsfonds als neues Finanzierungsmodell der gesetzlichen Krankenversicherung eingeführt.
Statt Bürgerversicherung und Kopfpauschale: Der Gesundheitsfonds und Gesundheitsreform
Bürgerversicherung und Kopfpauschale - die wichtigsten Merkmale im Überblick.
Das Nebeneinander von gesetzlichen und privaten Kassen bleibt
Das Modell der solidarischen Bürgerversicherung hat sich nicht durchgesetzt. Damit wird das Gesundheitswesen weiterhin durch private und gesetzliche Kassen finanziert. Weil sich junge Gutverdienende häufig aus den gesetzlichen Kassen ausklinken und einen günstigeren Tarif bei den Privaten wählen, stehen für Gesundheitsleistungen insgesamt weniger finanzielle Mittel zur Verfügung als es in einem integrierten System der Fall wäre. Verlierer sind die gesetzlich Versicherten. Denn für Privatpatienten erhalten niedergelassene Ärzte im Schnitt das 2,28-fache der Vergütung, die sie für gesetzlich Versicherte erhalten würden. Dies gibt ihnen einen Anreiz, Privatpatienten zu bevorzugen.
Von den Nachbarn lernen - Gesundheit in Europa
Gesundheitssysteme werden in Europa unterschiedlich finanziert. Die skandinavischen Staaten, Großbritannien und Spanien setzen auf ein steuerfinanziertes Modell. In Deutschland, Frankreich und den Niederlanden werden Gesundheitsausgaben hingegen über Beiträge erbracht, die auf Arbeitseinkommen erhoben werden. Eine Ideallösung ist keines der beiden Modelle: Zwar sind in Ländern wie Spanien und Großbritannien die staatlichen Gesundheitsausgaben vergleichsweise niedrig, dafür ist die Unzufriedenheit mit der medizinischen Versorgung hier am größten. In Deutschland dagegen erhöhen die lohngebundenen Kassenbeiträge die Lohnnebenkosten und gelten somit als Nachteil im internationalen Wettbewerb. Wie man öffentliche Gesundheit effizient und kostengünstig organisiert zeigt unterdessen das Beispiel Österreich.
Europäische Gesundheitssysteme im Vergleich - der Trend geht zur einer stärkeren Steuerfinanzierung
Trend geht zu mehr Steuerfinanzierung (Grafik)
Gesundheitsversorgung: Zufriedenheit hat ihren Preis (Grafik)
Gesundheit in Österreich: Hohe Zufriedenheit bei moderaten Kosten
Österreichs Gesundheitssystem schneidet besser ab (Grafik)
Der Gesundheitsfonds in den Niederlanden
Finanzierung des niederländischen Gesundheitssystems (Grafik)
Versicherungspflicht für alle Bürger
Etwa 211.000 Personen waren 2007 ohne Krankenversicherung. Damit hat sich die Anzahl der Menschen ohne Versicherungsschutz seit Mitte der 90er Jahre mehr als verdoppelt. Seit dem 1. April 2007 besteht daher erstmalig eine Krankenversicherungspflicht für die gesamte Wohnbevölkerung. Die Gesetzesänderung zeigt eine erste Wirkung: Inzwischen haben rund 120.000 Menschen einen neuen Versicherungsschutz erhalten, wie eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt.Etwa 211.000 Personen waren 2007 ohne Krankenversicherung. Damit hat sich die Anzahl der Menschen ohne Versicherungsschutz seit Mitte der 90er Jahre mehr als verdoppelt. Seit dem 1. April 2007 besteht daher erstmalig eine Krankenversicherungspflicht für die gesamte Wohnbevölkerung. Die Gesetzesänderung zeigt eine erste Wirkung: Inzwischen haben rund 120.000 Menschen einen neuen Versicherungsschutz erhalten, wie eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt.
Privatisierungswelle von Krankenhäusern
Nirgendwo in Europa wurden in den letzten Jahren so viele Kliniken privatisiert wie in Deutschland. Für Beschäftigte und Patienten bleibt das nicht folgenlos. Grade in privaten Kliniken wird am wichtigsten Kostenfaktor gespart - bei den Personalausgaben. Immer weniger Pflegekräfte müssen daher immer mehr Patienten versorgen. Patientenbefragungen zeigen, dass die Qualität der Pflege gefährdet ist.