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Robert Solow

Nobelpreisträger: Keine Angst vor Mindestlohn

Der amerikanische Ökonom und Nobelpreisträger Robert Solow hält die Furcht vor steigender Arbeitslosigkeit bei Einführung eines Mindestlohns für unberechtigt. Die negative Wirkung höherer Tarife im Niedriglohnbereich werde überschätzt.

"Ich verstehe nicht, weshalb in Deutschland so eine Angst vor dem Mindestlohn herrscht", sagte Solow am Rande einer Tagung in Lindau. Der Mindestlohn hat keinen Schaden in jenen Volkswirtschaften angerichtet, die ihn seit Langem eingeführt haben, wie die jüngste Studie der Russell Sage Foundation ergab.
Damit stellte sich der Nobelpreisträger von 1987 gegen die weitverbreitete Ansicht unter Volkswirten, dass die Einführung von Mindestlöhnen automatisch zu höherer Erwerbslosigkeit führt.(...)

Solow präsentierte auf der Tagung eine vergleichende Länderstudie über den Niedriglohnsektor. Zuvor hatten Forscherteams in Deutschland, den USA, den Niederlanden, in Dänemark, Frankreich und Großbritannien die Lage von Geringverdienern erkundet, etwa in Callcentern, dem Einzelhandel oder Hotels.

Viele Ökonomen überschätzten die negative Wirkung von Mindestlöhnen. Die Studien hätten ergeben, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Größe des Niedriglohnsektors und der Beschäftigung gebe. "Es ist auch nicht wahr, dass relativ hohe Löhne zu einer geringeren Beschäftigung führen", sagte Solow in einem Vortrag.

Er räumte zwar ein, dass ein zu hoher Mindestlohn Arbeitsplätze kosten kann. In der Praxis sei dies aber kaum beobachtet worden, sagte er. Bei Friseuren oder Gastwirten könnten die Preise steigen. Erfahrungen zeigten jedoch, dass ihre Geschäfte kaum beeinträchtigt wurden.

Die Studie belegt Solow zufolge, dass Unternehmen produktiver sind, wenn Mindestlöhne existieren. Denn es gebe für sie neue Anreize zum Investieren: etwa in die Weiterbildung ihrer Beschäftigten oder in neue Maschinen und Abläufe, um die höheren Kosten durch Mindestlöhne wettzumachen.

Viele Länder in Europa oder Amerika haben seit Jahren einen Mindestlohn. Erst Ende Juli stieg er in den USA auf 6,55 $. Verglichen mit der Kaufkraft in Deutschland entspricht dies nach Angaben des Internationalen Währungsfonds rund 5,60 Euro. Die Deutschen sind eines der letzten großen Industrieländer, in denen es bislang keinen flächendeckenden Mindestlohn gibt.

Mittlerweile sei der Niedriglohnsektor in Westdeutschland und Großbritannien mit 21 bis 22 Prozent fast so groß wie in den USA, wo der Anteil bei 25 Prozent liegt. In Europa gilt als Geringverdiener, wer weniger als zwei Drittel des mittleren Einkommens verdient. In Deutschland sei dieser Anteil in den vergangenen Jahren massiv gestiegen, sagte Solow. (...)

Robert Solow erhielt 1987 den Nobelpreis für ein Modell des langfristigen Wachstums. Darin kommt die Nachfrage nicht vor. Dennoch sieht sich der 83-Jährige als Realist. Wegen der aktuellen Konjunkturflaute hält er es für notwendig, dass Regierungen die Wirtschaft stützen.

Aus der FTD vom 25.08.2008#© 2008 Financial Times Deutschland


Zum Abstract des Vortrags von Prof. Robert Solow

"Low-Wage Work in Germany" - Zum deutschen Beitrag zur Solow-Untersuchung

 

 

 

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