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Finanzinvestoren

Jetzt fehlen die Reserven

Das Geschäftsmodell von Private-Equity-Firmen war nur für den Boom angelegt. Sie könnten nun viele produktive Industrieunternehmen in die Insolvenz zwingen.

Besondere Umstände haben Private-Equity-Fonds von 2003 bis 2007 ein exponentielles Wachstum ermöglicht: niedrige Zinsen, prosperierende Unternehmen, zunehmende Vermögenspreise, reichlich Kapital von Anlegern. All diese Kräfte wenden sich nun gegen die Fonds, so eine Untersuchung der Unternehmensberatung BCG und der IESE Business School. Die Banken verlängern die hohen Kredite nicht, Anleger wollen raus aus riskanten Anlagen, die Konjunktur lahmt. Mindestens 20 bis 40 der 100 größten Beteiligungsgesellschaften werden deshalb in den nächsten drei Jahren ihr Geschäft aufgeben müssen. Sicher ist nach Einschätzung der Autoren allenfalls jeder dritte Fonds.

An den Untergang der Fonds ist das Schicksal vieler Firmen geknüpft: Fast jedes zweite von Private-Equity gekaufte Unternehmen wird die Krise nicht überstehen, erwarten die Experten. Sie kalkulieren weltweit einen Schaden von 300 Milliarden Dollar. Insgesamt stecken 1.000 Milliarden Dollar in kreditfinanzierten Unternehmenskäufen. Investoren haben in Deutschland besonders viele Auto-Zulieferer erworben. Deren Belegschaften dürften zu den Hauptleidtragenden zählen. "Zulieferer haben einen schweren Stand gegenüber Auto-Konzernen und darum nur geringe Margen", sagt Alexandra Krieger, Wirtschaftsexpertin in der Hans-Böckler-Stiftung. "Wenn in ein solches Unternehmen ein Finanzinvestor einsteigt und dem Unternehmen Schulden aufbürdet, dann muss es in der aktuellen Situation zu Liquiditätsengpässen kommen."

In der Substanz gesunde Industriebetriebe müssen in die Insolvenz - das ist kein Betriebsunfall, sondern gehört selbst ohne Finanzkrise zum Kalkül der Fonds, wie der Ökonom Hans-Joachim Voth in einer Studie für die Hans-Böckler-Stiftung nachgewiesen hat. "Auch wenn zahlreiche Firmen im Portfolio des PE-Fonds Pleite gehen, kann eine hohe Anlagerendite erzielt werden", erklärt Voth. Der Gesetzgeber hätte das verhindern können, etwa indem er den Unternehmenskauf auf Pump durch eine Zinsschranke unattraktiver macht und die steuerliche Abzugsfähigkeit von Schuldzinsen begrenzt, so der Finanzmarktexperte. Auch die Verlustverrechnung im Portfolio der Fonds sollte eingeschränkt werden.

Böckler Impuls Ausgabe: 04/2009

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Quellen und Bildnachweise

The Boston Consulting Group: Get Ready for the Private-Equity Shakeout, Dezember 2008; Hans-Joachim Voth: Transparenz und Fairness auf einem Einheitlichen Europäischen Kapitalmarkt, Gutachten für die Hans-Böckler-Stiftung 2007

Warnung vor riskanten Krediten, in: Böckler Impuls 15/2007

Vorzug für Anleger mit Perspektiven, in: Böckler Impuls 11/2007

Private Equity: Kurzer Goldrausch, Format 73 mm mm x 86 mm, zum Download in den Formaten EPS und TIFF (Druckauflösung 300 dpi). Abdruck frei bei Angabe der Quelle und unverfälschter Wiedergabe von Inhalt und Aussage.
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