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Armut in Deutschland wächst
Die Armut in Deutschland hat im vergangenen Jahrzehnt zugenommen: 1998 galten 10,5 Prozent der Bevölkerung als arm, 2008 waren es bereits 14 Prozent. Darunter sind vor allem Haushalte mit Kindern und junge Erwachsene.
Insgesamt mehr als elf Millionen Menschen leben in Deutschland dicht an oder unterhalb der Armutsgrenze. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seiner jüngsten Studie, die auf Zahlen des Sozio-ökonomischen Panels beruht.
Demnach sind Kinder und junge Erwachsene besonders betroffen. Unter den 19 bis 25-Jährigen war 2008 knapp ein Viertel armutsgefährdet. Das heißt sie verfügen über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in der Bundesrepublik.
Die DIW-Forscher nennen dafür drei Gründe:
- Jungen Menschen fangen immer später an zu arbeiten, weil sich die Ausbildungszeiten verlängert haben. Immer mehr studieren.
- Viele Berufsanfänger beginnen ihr Arbeitsleben mit schlecht bezahlten Praktika und prekären Jobs.
- Heranwachsende ziehen früher aus dem Elternhaus aus, als noch vor zehn Jahren.
Bei Familien steigt das Armutsrisiko mit der Zahl der Kinder. Während Paar-Haushalte mit zwei Kindern mit 13,4 Prozent sogar leicht unterdurchschnittlich von Armut betroffen sind, leben von den Eltern mit drei Kindern bereits knapp 22 Prozent unter der Armutsschwelle. Bei vier und mehr Kindern sind es bereits 36 Prozent. Eine besonders hohe Armutsraten haben mit über 40 Prozent auch Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern.
Deutliche Unterschiede macht das DIW auch zwischen dem Osten und Westen Deutschlands aus: Angesichts hoher Arbeitslosigkeit und fehlender alternativer Einkommensquellen, zum Beispiel aus Kapitalerträgen oder Immobilien, liegt die Armutsrisikoquote in den neuen Bundesländern mit 19,5 Prozent deutlich über dem westdeutschen Wert von knapp 13 Prozent.
Quelle: Joachim R. Frick, Markus M. Grabka: Weiterhin hohes Armutsrisiko in Deutschland. In: DIW-Wochenbericht 7/2010